[Vorstand] Gedanken zum ausgehenden Jahr 2022 im ewe
Guido Schürenberg
guido.schuerenberg at eine-welt-erleben.de
Mi Dez 21 12:09:47 CET 2022
Liebes ewe-Team in Deutschland und in Sambia,
Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr nennt man „zwischen den
Jahren“ oder „Zwischenzeit“. Eine stille, nachdenkliche Zeit. Zeit das
vergangene Jahr rückblickend anzunehmen, es zu bilanzieren und als Teil
der eigenen Geschichte abzuschließen.
Für unser eine-welt-engagement war es ein Jahr des Aufbruchs und des
gemeinsamen Suchens für eine nachhaltige, partnerschaftliche
Zusammenarbeit. Alte, verlässliche Strukturen mussten überdacht und
weiterentwickelt werden. Vermeintliche Selbstverständlichkeiten aus mehr
als 25 Jahren Zusammenarbeit mit der Diocese of Monze in Erinnerung
gebracht, hinterfragt und aktualisiert werden.
Der ewe in Deutschland stand vor der Herausforderung seine
Vorstandsarbeit zu modernisieren und zu verjüngen durch die Einbindung
ehemaliger Freiwilliger, die klare Beschreibung der Projektbereiche und
die Verkleinerung des Vorstandes auf 7 Aufgabenbereiche. Für diese
Aktualisierung der Satzung erhielten wir bei der (schlecht besuchten)
Mitgliederversammlung im Juni ein einstimmiges Votum.
In diesem Jahr konnte sich auch das sambische Team des ewe neu
konstituieren und Verantwortlichkeiten festlegen. Das ermöglicht nun in
den Projektbereichen des ewe den regelmäßigen Austausch per ZOOM-Calls.
Die Freiwilligendienste in Deutschland, besonders die internationalen
Freiwilligendienste sind in einer Krise. Immer weniger Jugendliche
lassen sich dafür interessieren bzw. engagieren sich in anderen Feldern
der Zivilgesellschaft, wie im Umweltschutz oder in den Parteien. In
diesem Jahr konnte zwar noch in 90% der Einsatzplätze entsandt werden,
aber es lagen insgesamt auch nicht wesentlich mehr Bewerbungen vor. Die
Konsequenz ist, dass die finanzielle Förderung rückläufig ist, bei
gleichzeitiger Steigerung der Kosten. Auch die Incoming Dienste sind
davon betroffen, da die Träger die erhöhten Personalkosten für die
Begleitung der Dienste nicht mehr leisten können oder wollen.
Wir werden die Profilierung dieser besonderen Dienste auch im ewe
forcieren müssen, Einsatzfelder und Gastfamilien neu erschließen und
motivieren. Auch die Bewerbung im SDFV-Trägerverbund muss besser werden.
Das Projekt Schulfee ist für die nächsten 3 Jahre gesichert. Die
Förderung auch von begabten, aber unterstützungsbedürftigen Jugendlichen
in der 3. Erziehungsphase (Berufsausbildung oder Studium) ist nun in
stärkerem Umfang als bisher möglich.
Das vergehende Jahr war kein gutes für unsere Erde, das gemeinsame Haus,
wie es Papst Franziskus nennt. Die Folgen des Klimawandels sind überall,
aber besonders in den Ländern des globalen Südens deutlich spürbar.
Insbesondere Jugendliche auf der ganzen Welt sind mehr als die
etablierte Eltern- und Großeltern-Generation sensibilisiert, denn es
geht um ihre Zukunft. Sie engagieren sich gegen die permanente
Ressourcen-Verschwendung und Umweltzerstörung und protestieren mit immer
verzweifelteren Methoden gegen den Klima-Irrsinn und die Tatenlosigkeit
und Bequemlichkeit in Politik und Zivilgesellschaft. Aber sie sind eine
ohnmächtige Minderheit. Ein freiwilliges Jahr im ewe könnte
entsprechende Lern- und Engagement Felder anbieten, aber das derzeitige
Profil und die Rahmenbedingungen sind noch nicht darauf eingerichtet.
Und wollen wir als Träger und Partner diese Weiterentwicklung?
Die Kirchen in Deutschland, aber auch in weiten Teilen des globalen
Norden stecken in einer tiefen Vertrauenskrise durch die ignorierten,
vertuschten und oft auch geduldeten hunderttausendfachen Fälle von
sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch. Entsprechend wird den Trägern
und Anbietern von Freiwilligendiensten für Jugendliche von diesen und
auch ihren Eltern eher Misstrauen entgegengebracht. Die staatlichen
Zuschussgeber reagieren mit hohen Anforderungen an Sicherheitskonzepte
und Missbrauchsprophylaxe in Endsende- und Partnerorganisationen.
Dies ist sinnvoll und dem können wir entsprechen.
Dem Reputationsverlust der Kirchen können wir wenig entgegensetzen,
allenfalls das Ermöglichen von guten Erfahrungen im Einsatzfeld und in
den Kirchengemeinden. Die deutschen Jugendlichen haben außer der eher
formalen Kindertaufe wenig kirchliche Erfahrung, geschweige denn
Kirchenbindung. Aber, insbesondere die Engagierten und Interessierten
sind offen für religiöse und kulturelle Erfahrungen. Sie sind Suchende!
Hier steckt die Chance wertebasierter Freiwilligenarbeit.
Unsere Werte und die gemeinsamen Ziele müssen wir verständlich
formulieren und kommunizieren und authentisch leben.
Das neue Jahr wird uns als ewe in Deutschland und Sambia erneut vor
programmatische und konzeptionelle Herausforderungen stellen in einer
Welt und einer Zeit anhaltender existenzieller Krisen.
Um so mehr brauchen wir für unser Engagement die Gewissheit, das Gott
der sich als ICH-BIN-DA den Menschen, die an ihn glauben und auf seine
Führung vertrauen, mit uns ist und dieser Welt Frieden und Segen schenkt
- auch durch unser Engagement.
Im Dezember 2020 haben freikirchliche Gruppen ein musikalisches
Segensprojekt gestartet, das unter Beteiligung von Menschen aus 154
Nationen und in 257 Sprachen als WORLD BLESSING gesungen,
zusammengeschnitten und aufgenommen wurde.
Dieser Segen soll uns und unser Engagement im Neuen Jahr 2023 begleiten.
Ich bin froh und dankbar mit Euch in das Neue ewe Jahr gehen zu können.
Euch und Euren Familien wünsche ich eine besinnliche und frohe
Weihnachtszeit und ein Frieden bringendes Neues Jahr
Herzliche Grüße
Guido
https://www.youtube.com/watch?v=d48-qbcovVY
--
Guido Schürenberg
ewe-Vorsitzender
www.eine-welt-erleben.de
52305 Düren
Postfach 100523
mobil: +49 176 57756953
--
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