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  </head>
  <body>
    <p>Liebe Nina,</p>
    <p>Danke für Deine sehr ausführliche Rückmeldung auf eine kurze
      Anfrage.</p>
    <p>Deine Überlegungen und systemkritischen Anfragen teile ich
      weitgehend.</p>
    <p>An den Rahmenbedingungen, die von weltwärts (z.B. 100€
      Taschengeld für deutsche FW, kein Arbeitsverhältnis mit der
      Empfängerorganisation, ...) und vom Bundesfreiwilligendienst
      (Abrechnung über einen anerkannten FSD-Träger, Arbeitsvertrag,
      Stellen im sozialen Bereich, ...) können wir nur grundsätzlich was
      ändern, indem wir aus diesen beiden FW-Programmen ausscheiden. Die
      Integration der sambischen FW in gleichaltrige Bezüge können wir
      nicht garantieren, da wir weder einer Pfarre mit konfessioneller
      JUgendarbeit angegliedert sind und darüber hinaus auch wenige
      Jugendliche und junge Erwachsene, die Bezug zu unserem Verein oder
      überhaupt auch Interesse an einem entwicklungspolitischen Dienst
      haben, im Umfeld der Einsatzstellen oder Gastfamilien leben. Ein
      universitäres Umfeld wäre sicherlich integer, da offener.</p>
    <p>Zum Thema Finanzen, einem alten Reibepunkt seit 15 Jahren: Die
      ausländischen FW, an denen die sambischen FW sich messen, oder
      auch die deutschen FW im FSJ müssen davon Unterkunft, Verpflegung
      und Fahrtkosten bestreiten. Ja sie können frei darüber verfügen.
      Das ist ein anderes Gefühl als ein Taschengeld zu bekommen! Wenn
      sie davon aber ihren Lebensunterhalt allein bestreiten müssten,
      würden je nach Gastfamilie oder Unterkunft auch da Schieflagen
      entstehen.</p>
    <p>Im Prinzip können wir nur, wenn wir im System bleiben wollen, für
      Gleichheit beim Taschengeld sorgen. <br>
    </p>
    <p>An der Bildungsungerechtigkeit  -die ja auch in Deutschland
      erheblich ist, trotz staatlicher Förderung- und den Möglichkeiten
      nach dem FW Jahr ein Studium anzuschließen und evt. sogar danach
      in Deutschland zu bleiben, hieße eine neue Ausrichtung der Ziele
      des Vereins und wäre (Stichwort Brain Drain) auch nicht im Sinne
      unserer jetzigen Partner.</p>
    <p>Zum Schluss (vorerst): Das Projekt Schulfee der KHG-Aachen ist
      von Studierenden aus dem Gefühl entstanden, was gegen
      Bildungsungerechtigkeit tun zu müssen. Solomon Phiri bezeichnet es
      als das erfolgreichste Projekt in der Diocese, aber die jährlich
      6000€ die dort gespendet werden sind auch nur ein Trophen auf dem
      heissen Stein. Wenn ich im April nächsten Jahres in Rente gehe,
      nehme ich das Projekt vielleicht mit in den ewe. Ob das allerdings
      ertragreicher ist, lässt sich schwer abschätzen, da die Spender 
      und Spenden ohnehin zu 80% aus dem ewe kommen.</p>
    <p>Wir werden Deine Anfragen und Erfahrungen aufnehmen und ich
      persönlich hoffe, dass Du, wenn sich Deine Situation stabilisiert
      hat, auch wieder aktiv Dich in den ewe einbringen wirst. Du bist
      immer willkommen.<br>
    </p>
    <p>Herzliche Grüße</p>
    <p>Guido<br>
    </p>
    <pre class="moz-signature" cols="72">Guido Schürenberg
-Vorsitzender-
eine-welt-engagement.de
Postfach 100523
52305 Düren</pre>
    <div class="moz-cite-prefix">Am 10.06.2020 um 20:47 schrieb
      <a class="moz-txt-link-abbreviated" href="mailto:ninabraun@t-online.de">ninabraun@t-online.de</a>:<br>
    </div>
    <blockquote type="cite"
      cite="mid:003c01d63f57$94015bf0$bc0413d0$@t-online.de">
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        <p class="MsoNormal">Ihr Lieben, <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">ich möchte mich nochmal bei euch allen
          melden, bezüglich meiner Entscheidung mich nicht zur Wahl
          stellen zu lassen. Ich tanze bekanntlich auf vielen Partys und
          schaffe es zeitlich aktuell einfach nicht. Ich habe mich in
          letzter Zeit auch sehr viel mit mir selbst beschäftigt und
          möchte Dinge aus guter Überzeugung angehen. Für mich fühlt es
          sich nicht gut an, viel zu wenig Zeit für die sambischen
          Freiwilligen und die Vereinsarbeit zu haben. Ich glaube da
          leiden dann vor allem auch die Freiwilligen darunter. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Ich habe mich aber auch aus einem anderen
          Grund dagegen entschieden, nicht zu kandidieren. Ich möchte
          meine Gedanken mit euch teilen, da ich es absolut wichtig für
          die zukünftige Vereinsarbeit halte in der großen Hoffnung,
          dass ihr diese teilt und verstehen könnt, was ich sagen möchte
          (vor allem meine ehemaligen Mitfreiwilligen sollten verstehen,
          was ich meine.) <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Ich versuche mich kurz zu fassen. Mein
          Auslandsjahr in Sambia hat mich zu dem Menschen gemacht, die
          ich heute bin; kritisch, reflektiert und vor allem setze ich
          mich schon lange für Gleichberechtigung ein (das vor allem
          beruflich). Ich beschäftige mich im Rahmen meines Jobs und
          auch meines Studiums (und aktuell meiner Master Thesis) sehr
          mit den Themen Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, mit
          Postkolonialismus, Migration und vor allem meiner eigenen
          Privilegien (Critical Whiteness) als <i>weiße</i> Frau ( Mit
          <i>weiß </i>meine ich nicht die Hautfarbe, sondern die
          politische Position/Status, den ich in der Gesellschaft
          aufgrund meiner Privilegien besitze). In den Vorbereitungs-
          und Nachbereitungsseminaren bei fid sind diese Themen auch
          immer sehr wichtig, da unser Freiwilligendienst ja auch sehr
          kritisch gesehen wird. Und das zurecht. Die Frage ist auch
          immer, ob dies nicht auch eine Form von Rassismus ist, das
          „unterentwickelte“ Sambia mit 19- Jährigen Freiwilligen aus
          dem „entwickelten“ Deutschland zu beglücken und eine Form von
          Postkolonialismus voranzutreiben (ich übertreibe bewusst). <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Jetzt gehören wir zu einer der
          Organisationen, die glücklicherweise den interkulturellen
          Austausch in beide Richtungen fördert. Nach meinem Gespräch
          mit Solomon 2018 war mir auch nochmal bewusst und ich war
          inspiriert, dass das ganz klar unser gemeinsames Ziel ist. Der
          Austausch auf Augenhöhe. Was bedeutet das? Das bedeutet für
          mich, dass wir uns gleichwertig als Partner bezeichnen, die
          gemeinsam an unserem Projekt arbeiten. Wir teilen unsere
          Meinungen und Ansichten, die sehr unterschiedlich sein können,
          aufgrund unserer Sozialisierung, Gesellschaft, Kultur,
          Geschichte etc. Das es da schonmal zu Spannungen kommen kann,
          ist sehr natürlich, alleine schon dadurch, dass die
          finanziellen Ressourcen aus Deutschland kommen- und somit
          schon eine Machtungleichheit entstehen lassen. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Jetzt komme ich aber zum eigentlichen
          Anliegen: Ja, ich habe in der Vergangenheit mehrfach angeregt,
          dass das Taschengeld mit 90 € für die sambischen Freiwilligen
          viel zu niedrig ist. Und ich trete von meiner Meinung nicht
          ab. Es geht mir um die Bilder und Gedanken, die für mich
          dahinter stehen und die ich furchtbar finde. Die sambischen
          Freiwilligen arbeiten unter sehr harten Arbeitsbedingungen in
          den üblichen Krankenhausschichten (auch am Wochenende) und
          würden eigentlich 390 € bekommen, was auch schon ein Witz ist
          für die Arbeit, die sie dort leisten. Nein, sie bekommen 90 €
          und werden durch die Erfahrungen ihrer Mitfreiwilligen
          konfrontiert, dass sie viel weniger bekommen. Zusätzlich
          sprechen sie die Sprache nicht, was es noch schwieriger macht.
          Wie muss sich das anfühlen, dass sie als ausländische
          (Schwarze) Freiwillige um die Hälfte Geld weniger erhalten,
          als die anderen (deutschen) Mitfreiwilligen? Ich möchte mir
          das nicht ausmalen. Zusätzlich bekommen sie auch
          Informationen, wieviel Geld Azubis oder Pfleger erhalten, den
          Vergleich können sie sich dann ausrechnen. Fakt bleibt: sie
          bekommen weniger als alle anderen. Und wir vermarkten einen
          Austausch auf Augenhöhe und Gleichberechtigung. Das passt
          nicht zusammen. Als ich das Thema Taschengeld beim ersten Mal
          angesprochen habe, erinnere ich mich sehr gut and die
          Aussagen: „in der Vergangenheit sind alle immer gut damit
          zurechtgekommen und sie sind es ja aus Sambia gewohnt, nicht
          viel Geld zu haben“. Das ist eine Aussage, die für mich nicht
          geht. Viele der sambischen Freiwilligen haben mir im
          Abschlussgespräch nahegelegt, dass es viel zu wenig ist und
          sie sich isoliert gefühlt haben. Abgesehen davon, steht da für
          mich das Vorurteil: „sie sind es gewohnt arm zu sein“
          dahinter. Haben Sie nicht das Recht, genauso viel zu erhalten,
          wie die anderen Freiwilligen? Mbonyiwe hat sogar gesagt, dass
          sie es zutiefst bereut, nach hier gekommen zu sein, weil sie
          sich so alleine gefühlt hat. Das hat mich sehr berührt und
          verunsichert. Für mich gab es sehr wenige Tage in Sambia, an
          denen ich keinen Kontakt zu Gleichaltrigen und mich alleine
          gefühlt hatte. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Viele der Freiwilligen kommen aus Familien
          (Evans mal ausgenommen), die keine großen finanziellen
          Ressourcen zur Verfügung haben und die Zukunftsperspektive in
          Sambia ist sehr teuer, da Ausbildung dort mehr Geld kostet,
          als hier bei uns. Es ist sehr verständlich, dass sie sich Geld
          ansparen wollen, um einen Computer anzuschaffen, der
          fundamental wichtig ist für ein Studium. Ebenso finde ich es
          völlig legitim, dass sambische Freiwillige die Idee bekommen
          könnten, hier in Deutschland bleiben zu wollen. Hier möchte
          ich anmerken, dass ich eure Meinung teile, dass es nicht über
          die Gastfamilien laufen darf und auch wir kein Image nach
          außen erhalten, dass wir die Brücke nach Europa sind. Aber
          auch darum geht es mir hier nicht. Es geht um die völlig
          berechtigte Idee, sich hier eine Zukunft aufbauen zu wollen
          (ich habe ja auch die Idee, dass ich gerne nochmal in Sambia
          leben möchte und mich hält auch keiner zurück – mich wird in
          Sambia jeder Willkommen heißen- ganz nach dem Motto Ubuntu).
          Ich spüre immer wieder Spannungen in unserem Team, wenn es um
          dieses Thema geht. Ich verstehe bis heute nicht warum. Denn
          wenn wir es jetzt auch wieder auf die politischen Weltthemen
          beziehen, dann sind die Nordländer und der Kapitalismus auch
          daran Schuld, dass eine Migration stattfindet und die lokalen
          Strukturen zerstört werden – von daher finde ich diese
          Vorstellung mehr als legitim sich hier eine Zukunft aufbauen
          zu wollen, um später nach Sambia zurückzugehen oder zwischen
          beiden Kontinenten zu leben und so die finanziellen Ressourcen
          zurückzubringen. Und dazu kommt noch die Tatsache, dass junge
          Menschen im Alter von 19 so viele Ideen und Energien haben,
          die wir doch unterstützen sollten. Es gibt eine andere
          Organisation in Limburg, die auch einen Austausch mit Sambia
          hat, auch mit der Unterbringung in Gastfamilien. Sie
          unterstützen sogar die Freiwilligen darin, sich in Deutschland
          für einen Studienplatz in „interkultureller/internationaler
          Zusammenarbeit“ zu bewerben. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Zur Position meines Nachfolgers Evans: <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Evans ist ein Segen für den Verein, weil er
          die andere Perspektive, die migrantische, die Schwarze (eine
          Begriff der politischen Eigenbezeichnung von Schwarzen
          Menschen), die frische und junge Perspektive miteinbringt, die
          der Verein so dringend braucht. Er ist in Sambia aufgewachsen,
          hat den Freiwilligendienst gemacht und kennt sich in beiden
          Gesellschaften aus, gerade was den Umgang mit interkulturellen
          Vorurteilen und möglichen Diskriminierungen angeht. Besser
          geht es gar nicht. Es gibt noch mehr Personen in der
          sambischen Community, die sich vielleicht engagieren möchten.
          Keith Hamaimbo, den ihr ja auch gut kennt, kann bestimmt auch
          noch Kontakte herstellen. Es gibt auch eine (Whats App) Gruppe
          der sambischen Community, die jedes Jahr Veranstaltungen
          organisieren. Das wäre auch eine gute Gelegenheit unsere
          sambischen Freiwilligen in Kontakt zu bringen (Evans hat vllt
          auch schon davon berichtet und den Kontakt). <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Ich komme zum Schluss: ich kann den
          sambischen Freiwilligendienst so nicht mehr betreuen, weil das
          Konzept und die Realität nicht übereinstimmen. Wir müssen uns
          selbst reflektieren und an uns arbeiten.  Und wie ihr alle
          auch wisst, ist der ewe für mich ein Herzensprojekt, auch in
          Zukunft. Ich schließe nicht aus, nach Abschluss meines
          Masterstudiums zurückzukommen und wieder eine Aufgabe zu
          übernehmen. Aber eben unter der Voraussetzung, dass wir
          gemeinsam an unseren persönlichen Einstellungen arbeiten und
          andere Wege finden, wie wir unsere sambischen Freiwilligen
          hier vor Ort im Sinne von Ubuntu unterstützen. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Anbei hänge ich euch noch eine meiner
          Hausarbeiten an, die ich zum Thema Critical Whiteness
          geschrieben habe. Die ist ganz gut gelungen. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Ich freue mich über Rückmeldungen. <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal">Bleibt gesund und alles Liebe aus Köln <br>
          Nina <o:p></o:p></p>
        <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>
        <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>
        <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>
        <p class="MsoNormal"><o:p> </o:p></p>
      </div>
      <br>
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