[Vorstand] Zwischen den Jahren
Guido Schürenberg
guido.schuerenberg at eine-welt-erleben.de
So Dez 29 15:50:04 CET 2019
Lieber Vorstand,
die Zeit "zwischen den Jahren" ist wirklich ein"dazwischen", nach
Weihnachtsstress (wobei ich mich alle Jahre wieder frage, warum ich
diesen mitmache) diese Zeit als geschenkte Zeit der Ruhe und des
Nach-Denkens zu nutzen ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger
geworden.
Deshalb hier für und mit Euch ein Nach-Denken des ewe-Jahres und ein
vorsichtiger Ausblick ins Jubiläumsjahr 2020.
*Deutsche Freiwillige*
Nachdem das Ende von 2018 Gesine sehr in Anspruch genommen hat mit der
QM-Prüfung und dies zu einer Zeit, in der sich bereits die ersten
Zeichen von Konflikten um Ben und Chrisencia abzeichneten, die Helen,
Gesine und mich in unserer Reaktion darauf sehr beschäftigt haben, haben
wir uns dennoch entschlossen Naomie zu entsenden.
Dies war ein Wagnis und nicht ohne Risiko für uns als
Entsendeorganisation. Zum einen hatte die offenbar immer stärker
werdende Chrisencia auf Partnerseite Bedenken wegen der religiösen und
spirituellen Vorstellungen von Naomie und überdies war uns bewusst, dass
wir ein Experiment mit einem neuen Typus Freiwillige machen, die nach
Abschluß eines Bachelor-Studiums nun ein Orientierungsjahr in einem ganz
anderen Feld versuchen und im Falle von Naomie verbunden mit einer Suche
nach ihren kulturellen Wurzeln. Letzteres hatten wir schon mit Lilly und
Nurit, und ersteres bedingt mit Susanne. Aber die Kombi und das in einer
eher beziehungsmässig angespannten SItuation war ein Wagnis und wird es
auch bleiben.
Während die Situation mit Ben eskalierte und zu zweimaligem Wechsel der
Einsatzstelle und Familie führte und am Ende dazu, dass Ben weitgehendst
sozial isoliert wurde, erkrankte Gesine langfristig und musste sich aus
der ewe-Arbeit weitestgehend zurückziehen. Ein Ausfall, den Helen und
ich nur unzulänglich füllen konnten und können.
Immerhin konnten wir den Bereich der FW-Verwaltung an Yoko übertragen,
startend mit der Abrechnung von Naomie; Ben und Silja wird noch von
Gesine zuende gebracht. Gesine wird eingeschränkt im Hintergrund
beratend zur Verfügung stehen, mittelfristig werden Helen -als
Verantwortliche- und ich diesen Kernbereich unserer Arbeit versuchen zu
konsolidieren, und ehemalige FW zu motivieren zukünftig in die
Begleitung einzusteigen.
Da wir 2020/2021 leider niemanden entsenden können (die einzige
Kandidatin erhielt vor Ende unserer Bewerbungsfrist eine Zusage von
Missio) müssen wir unsere Konzeption in Zusammenarbeit mit unseren
sambischen Partnern neu erarbeiten, um attraktiver in die Werbung für
2021/ 2022 einsteigen zu können und entsprechend der QM-Prüfung Ende
2020 gelassener entgegensehen zu können. Dies wird Dank der
hervorragenden Vorarbeit von Gesine für 2018 machbar sein. Dies wird für
den Einsatz von sambischen FW in Deutschland eine Rolle spielen, da
beides aneinander gekoppelt ist, eben ein Austausch.
Ein großes Problem sehe ich in unseren Partnern, die z.Zt. wichtigeres
und existenzielleres zu tun und zu regeln haben als den Einsatz
deutscher FW nach deutschen Vorgaben zu gestalten.
Diesen Prozess der Aktualisierung und Weiterentwicklung des FW-Einsatzes
werden wir im ersten Halbjahr 2020 angehen und der MV im JUni
vorstellen. Ich hoffe für die interkultrelle Kommunikation auf die
Mitarbeit von Evans.*
*
*Sambische Freiwillige*
Auch hier begann das Jahr 2019 mit einem (von mir verursachten) Problem,
das die Zusammenarbeit mit unseren Partnern unnötig belastet hat: Wir
haben die sambischen Partner gebeten für die Ausbildung von Chilala ein
Treuhandkonto einzurichten und zu verwalten, das über uns ausgestattet
wurde mit Spendengeldern, die Sigrid Schloßbauer akquirierte. Das ist
voll schief gelaufen, weil unsere Partner -zu Recht- diese
Einzelförderung kritisierten, sodass wir nach einer ersten Zahlung diese
Initiative wieder an Sigrid zurückgegeben haben. Für diese
Fehleinschätzung möchte ich mich entschuldigen.
Dank des unermütlichen Einsatzes von Irmela konnte der Einsatz der
sambischen FW gut gestaltet werden. Erstmals hatten wir im Vorfeld kein
Problem Gastfamilien zu finden.
Leider muss Nina, zumindest während ihres Masterstudiums pausieren, aber
Silja, deren Eltern überlegen dieses Jahr eine sambische FW einzuladen,
will in die Begleitung der samb. FW einsteigen.
*Projekte*
Die Auswirkungen des KLimawandels sind in der Southern Province schon
seit einigen Jahren so massiv einwirkend auf die Ernährung der Menschen
und damit auch auf deren Lebensbedingungen, dass dies sogar Einfluss auf
den Pastoralplan des Bistum Monze hat vorgelegt für 2016 - 2020.
In Konsequenz haben wir als ewe immer mal wieder bei unseren Partnern
angefragt, ob wir in diesem Rahmen Projekte der Caritas unterstützen
können, zuletzt durch die bedrückenden Meldungen dieses Herbstes und dem
beindruckenden Spiegel-Podcast über die Viktoria-Fälle und die Situation
in der Southern Province.
https://www.spiegel.de/video/duerre-in-simbabwe-und-sambia-viktoriafaellen-geht-das-wasser-aus-video-99031139.html
Diese unsere Angebote wurden nicht angenommen, zwar nicht abgelehnt,
aber mit dem Verweis auf viel Arbeit mit der Saatgutsicherung und
Ausgabe an die communities hinausgezögert.
Ich weiss nicht, wie damit umzugehen. Ob wir als nicht zuständig
angesehen werden, da konzentriert auf den interkulturellen FW-Austausch
oder finanziell nicht potent genug, oder im Projektbereich eher auf
Ausbildungsprojekte fokusiert, wie Schulfee -obwohl dies ein Projekt der
KHG-Aachen (noch) ist?
Ich werde in dieser Frage den Kontakt zu FairHandeln suchen.
*Vorstandsarbeit und Verwaltung*
Insgesamt funktioniert die Zusammenarbeit in den einzelnen
Verantwortungsbereichen gut. Ähnlich, wie bei unseren Partnern, ist dies
sehr stark personengebunden. Das macht uns anfällig für Ausfälle, wie
jetzt bei Gesine oder auch Nina. Deshalb ist die Konzentration im
Vorsitz auf die ältesten Mitglieder -Irmela und mich- problematisch.
Hier muss ich lernen mehr abzugeben an Nachwachsende und mich
konzentrieren auf die konzeptionelle Arbeit und die Aussenvertretung.
Die Möglichkeiten die Trello bietet, nutze ich/ nutzen wir bisher nur
zögerlich (mit Ausnahme von Yoko). Auch die Angebote zur Mitarbeit durch
Jörg und Gabi Thönnes konnte ich/ konnten wir bisher nicht integrieren.
Dies ist aber notwendig, da Jörg offensichtlich einen regen Austausch
mit dem Bischof von Monze, Fikani Phiri (Sohn von Solomon) und den
Jesuiten in Chikuni hat. Das schafft Verwirrung!
*Partner*
Bei unseren Partnern scheinen sich unterschiedliche personelle
Zuständigkeiten herauszubilden, die eine gewisse Selbständigkeit haben,
aber mindestens so stark von Personen abhängig sind wie bei uns. Aber
während bei uns zumindest ab und zu Neue einsteigen und integriert
werden, ist dies bei den sambischen Partner alles fokussiert auf Solomon
Phiri, den die Sambia-Länderreferentin von Misereor nach einem
Projektbesuch als König bezeichnete, auf den alles hingeordnet ist. Aber
wenn dieses Bld so stimmt, dann ist Chrisencia, gerade jetzt als in der
Rangfolge ihres Ordens an 2. Stelle, eine Queen im Bereich der
Freiwilligen-Arbeit und Agnes allenfalls die Assistentin von beiden.
Für die Absicherung unserer Freiwilligen ist das gut, aber wie wir in
diesem Jahr gesehen haben, auch fragil, wenn die Akteure andere
Schwerpunkte setzen (müssen).
Mir schwebt vor so etwas wie einen Kooperationsvertrag zu entwickeln,
der ewe und Diocese of Monze bindet und überprüfbar und zielorientiert ist.
*Ehemalige Freiwillige*
Sowohl die deutschen als auch die sambischen FW sind angeschrieben
worden mit der Intention, ihre Erfahrungen in die Vereinsarbeit
einzubringen.
Bei den sambischen FW durch Evans war der Fokus gerichtet auf die
interkulturellen Erfahrungen, bei den deutschen FW durch mich eher auf
grundsätzliches Engagement im und für den ewe.
Die Reaktionen der deutschen waren eher spärlich (immerhin hat Gerrit
seine Mitgliedschaft beantragt und für mehrere Jahre Mitgliedsbeitrag
gespendet und sich bereit erklärt von Tirana aus via Internet
Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Thomas McColgan versucht eine
Partnerschaft und ggf. FW-Austausch mit einem schweizer Gymnasium und
Namwala zu initiieren, Carolin Philipp bietet Film und Ausstellung zur
Entwicklungsproblematik für das Jubiläumsjahr an und Natalie erwartet im
Februar ein Kind und kann sich daher nicht auf Jubiläumsaktivitäten
festlegen.
*Perspektive*
Wie oben bereits angedeutet, werden wir die Freiwilligen-Arbeit
konzeptionell weiterentwickeln müssen - oder aufgeben.
Desgleichen gilt für unsere darauf fussende Partnerschaft. Entsprechend
perspektivische Vorlagen sollten Thema der Mitgliederversammlung sein,
bei der ja auch ein neuer Vorstand zu wählen ist.
Soweit mein Nach-Denken
Ich möchte mich bei Euch allen bedanken, dass Ihr -je nach
Lebenssituation und Kräften- so verlässlich auch im vergangenen Jahr im
Vorstand gearbeitet habt
Ich wünsche Euch einen guten Start ins neue Jahr und freue mich Euch am
*Di 21. Januar* bei unserem ersten Treffen im neuen Jahr wiederzusehen
Herzliche Grüße
Guido
--
Guido Schürenberg
-Vorsitzender-
eine-welt-engagement.de
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